Spektakuläre Reunion:

George W. Kastner kehrt zurück in den Schoß von Rungis Express.

Seit einigen Wochen schon brodelt die Gerüchteküche, nun ist es offiziell: Ab 1. Februar 2009 steht George W. Kastner als Product Scout auf der Payroll von Rungis Express. Wieder, muss es eigentlich heißen, galt der Name Kastner doch über Jahre als Synonym des Meckenheimer Feinkostgroßhändlers, dessen geschäftsführender Gesellschafter der unter Gourmets, Spitzengastronomen und Fachhändlern als ebenso profund wie hitzköpfig und knurrig bekannte Bayer bis zur spektakulären Insolvenz Anfang 2005 war.

 

Zu Beginn der 80er Jahre stieg Kastner, in Fachkreisen wegen seiner untrüglichen Spürnase für erstklassige Produkte geschätzt, bei Rungis Express ein und legte mit seiner hierzulande bis dahin ungewöhnlichen Frischwarenpalette aus Frankreich, Spanien, Italien und Übersee nebst aufwändiger Logistik den Grundstein für den Anschluss der deutschen Küche an die internationale Spitzengastronomie - daran hegen selbst eingefleischte Kastner-Antipoden bis heute keinen Zweifel. Die Pleite erschütterte die Branche vorübergehend bis ins Mark, nicht wenige riefen mit dem Ende der Ära Kastner auch eine Ende des eben erblühenden deutschen Küchenwunders aus. Mit der Übernahme durch die Bremer CoolChainGroup (CCG) geriet Rungis Express nach kurzzeitigem Lieferstopp wieder in ruhiges Fahrwasser und aus den Schlagzeilen. Wirtschaftlich steht das Unternehmen heute besser da denn je. 

 

Kastner, bekennender Schnauzbartträger, blieb seiner Berufung und seinem Ruf treu: Er gründete nach einem vergeblichen Versuch, sich die Unternehmensanteile aus der Insolvenz heraus zu sichern, einen Frischimport, mit dem er vor allem die Sternegastronomie belieferte. Mit dem Branchenriesen Rungis Expresse und der auf Expansion ausgerichteten Strategie dessen weltweit operierenden Mutterunternehmens freilich konnte er nicht mithalten. 

 

Von der Wiedervereinigung dürften beide Seiten profitieren: Rungis Express schafft sich mit der Verpflichtung einen Konkurrenten im umkämpften Premiummarkt vom Hals, Kastner dagegen kann sich ausgiebig seiner größten Leidenschaft, nämlichen Premiumprodukten, widmen. Es wächst, so der überwiegende Tenor unter Deutschlands Spitzenköchen, zusammen, was zusammengehört - es frage sich nur, wie lange.


23. Januar 2009


















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